reflections

dreh dich nicht um, er ist hinter dir

Am Morgen geht sie aus der Tür,
hat die ganze Nacht
kein Auge zugemacht.
Wieder diese Anrufe,
wieder dieses bekannte Stöhnen am anderen Ende.
Sie weiß nicht mehr wie lange das schon geht.
Jeden Tag,
jede Nacht,
immer dasselbe.

Sie erreicht den Bürgersteig.
Spürt die Blicke im Hinterkopf,
spürt, dass sie nicht allein ist.
Sie merkt wie ihre Schritte schneller werden.
Wieder diese Angst.
Wie seit Tagen,
Wochen,
Monaten.
Sie hört die Schritte hinter sich,
auch sie werden schneller.
Er muss vor dem Haus auf sie gewartet haben,
wie immer.

Drei-, viermal hat sie sein Gesicht schon gesehen,
an der Schlafzimmerfensterscheibe.
Glotzend, mit aufgerissenen Augen.
Sicher war er immer da.
Aber sie wollte es nicht wahrhaben,
bildete sich ein da wäre nichts,
sah fast nie zum Fenster.
Aber sie spürte diese Blicke,
wie Messerstiche.
Sie hinterließen Wunden,
tiefe Wunden in ihrer Seele.

Sie wechselt die Straßenseite,
er auch.
Natürlich.
Er macht immer, dass was sie auch macht.
Hätte sie ihn bloß nie kennen gelernt,
sich bloß nie auf ihn eingelassen.
Diese eine Nacht.
Eigentlich war er wirklich süß.
Doch nur für eine Nacht,
dann war für sie Schluss.
Er wollte mehr, mehr, mehr.
Und ließ sie von da an nicht mehr in Ruhe.

Sie geht in ein Café.
Er auch,
was sonst?!
Sie will unter Leuten sein.
Bloß nicht mit im allein!
Sie dreht sich nie nach ihm um.
Will nicht in seine Augen sehen müssen.
Er bleibt meistens unauffällig,
niemand weiß,
was in seinem kranken Hirn vorgeht.
Sie setzt sich an einen Tisch,
er wird wahrscheinlich den Nachbartisch nehmen.
doch da irrt sie sich.
Er geht auf sie zu,
raus aus dem Verborgenen.
Er zieht eine Waffe aus seiner Tasche,
hält sie sich an den Kopf.
Winselt wie ein Kleinkind:
“Komm zu mir zurück,
ich kann nicht leben ohne dich!“
Sie ist ratlos,
weiß nicht was sie tun soll.
Angst, wieder diese Angst…

Die Leute im Café sie schreien,
sind hilflos.
Dieser Krach,
dieser Lärm.
Es ist zu viel für ihn.
Zwei Schüsse hallen durch den Raum.
Ein für sie,
ein für ihn.
Stille…
Die Polizei kommt,
doch nun,
ist eh alles zu spät.

Als Erinnerung für unsere beste Freundin Tanja die nur 17 wurde

14.10.07 15:06

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